AUTOKLAV

"Gleiches Prinzip wie bei Kondomen. Besser haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben!"

Dieses Zitat aus einem Hollywoodfilm habe ich bei Zwischendurchprojekten schon mal öfters im Kopf. Eines der letzten Projekte war ein Autoklav. Mit diesem Dingen lassen sich Flüssigkeiten wie Resin oder Epoxidharz entgasen nachdem sie zur weiteren Verarbeitung angemischt wurden. In der letzten Zeit hab ich zwar noch kaum was laminiert und schon garnicht erst "resint", aber hey, siehe Einleitungssatz.

Ein grosses Pro bei dem Projekt war, dass es günstig gewesen ist. Einzig der Plexiabschnitt musste gekauft werden. Zufällig hatte Guido Faust da ein paar Reststücke am Start die er unter den Jungs aus der whatsapp Gruppe (der Wurzel so manchen Übels) für schmalen Schekel verteilte. Grosser Durchmesser von 150/132mm, also 9mm Wandstärke bei einer Höhe von 300mm.

Als Boden und Deckel wählte ich als Ausgangsmaterial eine 30mm dicke Polyethylen Platte die ich schon seit Jahren auf dem Speicher rumstehen hatte. Aus ihr wurden grob zwei Scheiben geschnitten und auf die Drehbank gespannt. Die Platten wurden erst grob in Form gebracht, dann eine Stufe angedreht. Eine hübsche Sauerei mit den ganzen Spänen, aber wozu gibts Staubsauger...

Polyethylen habe ich deswegen genommen, damit eventuelle spätere Kleber- und Harzreste nicht am Boden kleben bleiben, die feisten 30mm waren eine feine und willkommene Zugabe. In den Deckel wurden erstmal zwei von drei Gewinde in der Nähe des Randes auf 120° verteilt gebohrt. Diese Gewinde wurden mit sogenannten Pneumatik Pushfits bestückt. In diese habe ich kurze Festoschläuche gesteckt auf deren Ende kleine Absperrhähne gesteckt wurden. Einer bildet die Entlüftung bei Unterdruck, der zweite steckt in der Zuleitung der Vakuumpumpe. Mit ihm kann ich den Schlauch zur Pumpe absperren wenn der gewünschte Unterdruck erreicht ist und die Pumpe abgeschaltet wird.

Diese Pumpe hatte ich vor Jahren mal irgendwo erbeutet. Ich kann noch nicht mal mehr sagen woher, und eigentlich lag sie schon in der Schrottkiste weil man so ein Dingen ja eh nie braucht. Nun konnte sie doch noch ihrem Zweck zugeführt werden. Eine schnelle Recherche im Internet anhand der Bezeichnung auf dem Datenblatt identifizierte die Pumpe als Becker VT 1,5C, eine öllos funktionierende Drehschieberpumpe die gut ist für 85% Vakuum.

Das dritte Gewinde dient der Befestigung eines Manometers welches sowohl Über- als auch Unterdruck anzeigen kann. Hab ich vor einiger Zeit mal zum testen meines XXVIw gekauft, dummerweise habe ich übersehen, dass das Dingen einen Durchmesser von 100mm hat und gefühlte 35kg wiegt. Naja, hat nur 10 Euro inkl. Versand gekostet, hierfür reichts. Dummerweise hatte ich keinen passenden Gewindeschneider zur Hand. Einige von diesen zölligen Dingern hab ich ja, aber 1/2" beim besten Willen nicht. War ja klar, musste das Manometer also erstmal hinten anstehen.

In der Zwischenzeit konnte ein erster Testlauf gestartet werden. Eine 3mm O-Ring Schnur wurde auf Maß geschnitten, verklebt und jeweils unter Boden und Deckel gelegt. Eine spezielle Nut wurde nicht in die Deckel eingestochen. Leider war die Schnur anscheinend zu hart, es konnte sich kein Vakuum aufbauen. Ich habe mich dann auf die Suche nach einem Ersatz gemacht und noch ein Reststück 5mm Moosgummischnur gefunden. Das war dann so weich, dass die Schnur beim "vakuumieren" sofort zusammengedrückt wurde und den Unterdruck ziemlich lange hielt.

Auf meiner Suche nach einem 1/2" Gewindebohrer wurde ich wieder in besagter whatsapp Gruppe fündig. Thomas Paul hatte so ein Dingen das er mir ohne grossen Tamtam sofort zuschickte. Somit konnte auch das letzte Gewinde eingebracht und das Manometer nach applikation von Teflonband aufs Gewinde eingeschraubt werden.

Sofort wurde ein Probelauf gestartet der erstaunliche -0,85 bar zustande brachte. Nicht schlecht für eine Pumpe, die eigentlich auf dem Schrott landen sollte.

Natürlich durfte auch der obligarorische Schokokuss Probelauf nicht fehlen. Den hab ich dann mit der ganzen Packung wiederholt. Fazit: Die Dinger waren alle nicht druckfest und wurden sofort ordnungsgemäss "entsorgt".

   
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