OPDUWER

Holland hat prächtiges zu bieten. Nicht nur Landschaftlich reizvoll, man kann auch auf eine Jahrhunderte alte Kultur die ihren Namen zu recht verdient, zurückblicken. Leider setzt man Holland, oder korrekterweise Niederland, meist immer nur mit Gouda, Tulpen und Frouw Antje gleich, aber das ist nicht so.

Eine der wenig bekannten Kuriositäten die unsere Nachbarn zu bieten haben sind kleine Wassertrecker, genannt "Opduwer".

Diese bis zu 6m langen Boote sind oft gesehene Fahrzeuge auf Hollands Wasserwegen. Sie werden zu allem Möglichen benutzt. Ob es nun Freizeitaktivitäten sind, oder Frachten bewegt werden müssen, die Vielfalt der Opduwer ist beeindruckend und wahrscheinlich gibt es keine zwei Identische sofern sie nicht in einer Manufaktur hergestellt wurden. Wenn man mal durchs Internet streift bekommt man den Eindruck, das zum Bau der Opduwer meist das genommen wurde was man so hat. Irgendwelche alten 1-4 Zylinder werden verbaut, die Rumpfform ist nicht gerade als einheitlich zu bezeichnen und an Aufbauten gibts von geschlossen über offen jegliche Nuancierung.

 

Viel Platz zum spielen...

 

Normalerweise ist ein Überwasserschiff nicht wirklich was für mich. Zu zweidimensional...  Vor Jahren haben Norbert Heinrichs, Sven Geelen und ich mal mit einem detaillieren Rumpf angefangen, aber nie zu Ende gebaut. So lagen die Teile jahrelang auf meinem Regal rum und warteten auf Neuentdeckung. Irgendwann hat Holger Becker dann auch noch mal in die Kerbe geschlagen und was Eigenes aufgelegt. Sein Rumpf war weniger detailliert, dafür aber komplett mit Oberdeck und Aufbau. Ich habe mir mal die Form geliehen und mir 2 Rümpfe gezogen. Eigentlich sollten meine Kinder die bekommen, aber ich fürchte das die ganz andere Interessen haben. Egal, die Dinger lagen wie gesagt erstmal rum. Fressen ja kein Brot und schlecht werden sie auch nicht. 

Im Zuge des 1:10 Hype wurden die Teile allerdings wieder interessant, da es ein Bild geben soll in dem ein Opduwer einen Biber zieht. Da beide Modelle in 1:10 sind, wäre das ein schönes Motiv um beide Modelle miteinander im wahrsten Sinne des Wortes zu verbinden. Ich hatte immer mal wieder zwischendurch die Kollegen angehauen wie es denn nun mit dem Boot ausschaut, aber in Wallung kam keiner also hab ich mich selbst darangesetzt. Wir hatten mal die Idee das Oberdeck zu teilen und den vorderen Bereich des Aufbaus wasserdicht zu gestalten. Ich habe, da ich voran kommen und irgendwo mit etwas beginnen wollte, einfach mal das Oberdeck grob zurecht geschnitten und mit Endfest aufgeklebt. Anschließend wurde das Oberdeck passend beigeschliffen und auf Maß gebracht. Da bereits der Ausschnitt für den Aufbau ausgesägt war, konnte ich die Innereien zügig einbauen. Dabei war zu beachten das keine der Komponenten im Weg sind, immerhin ist die Plicht bis zum Boden des Bootes offen und einsehbar.

Der Aufbau wurde ebenfalls platt aufgeklebt und die entsprechenden Stellen wurden anschließend ausgespart. Später kamen da Klappen drauf die abnehmbar sind. Auf diese Weise habe ich Zugang zu den wichtigen Teilen. 

Ich habe mal in meiner Bastelkiste gewühlt und nachgesehen was da noch an verwertbaren Resten drin ist. Da ein Überwasserboot wesentlich einfacher im Aufbau ist benötigte ich eigentlich nur einen Fahrregler, Empfänger, Servo und ein paar Akkus. Hatte ich glücklicherweise alles noch herumliegen, somit musste nichts neues gekauft werden.

Im Gegensatz zu sonst musste ich mal nicht großartig planen und wie bei den anderen Booten irgendwelche Eventualitäten abwägen. Ich habe einfach alles erstmal zusammengeklebt und mir später einen Kopf darüber gemacht wie ich was hin bekomme.

Als Motor wurde mangels vakantem Fahrregler ein kleiner bürstenloser Roxxy genommen, der 8A Regler ist aus gleichem Hause. Schön an den Regler ist u.a. das die direkt recht leistungsfähige BEC mit an Bord haben. Für das eine Standard Servo und ein bisschen Beleuchtung reichen die BEC bei den kleinen Reglern allemal aus. Zusammen mit einer kleinen Kupplung war der Motor schnell eingebaut, ein erster Test mit 12 alten 4300mAh Akkus von Sanyo zeigte aber das der "Trecker" ziemlich Dampf haben würde. Die Zellen wurden zu zwei Stangen verschrumpft die rechts und links neben dem Motor Platz fanden. Ein wenig Blei nach Gefühl wurde ebenfalls mit Heisskleber im Rumpf befestigt. Damit der Heisskleber besser am Blei hält wurden die Bleibarren mit dem Heissluftfön stark erhitzt. Anschließend wurde der Heisskleber aufgetragen der durch das heiße Blei sehr dünnflüssig wurde. Nachdem alles mit einer Spitzzange im Rumpf platziert wurde musste ich feststellen, das das Blei richtig fest verklebt war. Früher verband es sich nie so recht mit dem Heisskleber, ich denke mal das das Auftragen des heißen Klebers auf das kalte Blei dazu führte das keine richtige Verbindung zustande kam und sich daher die Bleigewichte immer aus dem Rumpf lösten.

Das Servo für das Seitenruder bekam eine ebene Platte aus GFK spendiert und wurde mit doppelseitigem Klebeband ins Heck des Bootes verbannt. Dort liegt es direkt unter der achteren Abdeckklappe und ist bei Problemen leicht zu demontieren.

Das Seitenruder ist ebenso wie der Schutzbügel um die Schraube herum aus 5mm GFK gefräst. Das ist stabil und sollte Grundberührungen gut abfangen. Beides ist nicht profiliert.

Der Empfänger hängt samt Antenne mit doppelseitigem Klebeband unterhalb des Oberdecks. Eventuelles Bilgenwasser kann ihm also nicht schaden. Einen Ein/Aus Schalter gibt es nicht. Das abnehmbare Oberlicht auf dem Aufbau ist gegen Verlieren mit einer Schnur festgebunden. Am Ende dieser Schnur hängt der Fahrregler quasi freischwebend in der Luft. Zum Einschalten des Bootes muss die Klappe geöffnet und der Akku mit dem Fahrregler verbunden werden. Einfach, kostenlos und zuverlässig. Wäre es nicht einfach gewesen an diese Verbindung zu kommen hätte ich einen magnetischen Schalter eingebaut, aber so konnte ich mir die Arbeit und das Geld sparen.

Wie bereits angedeutet ist der Opduwer geringfügig übermotorisiert. Wie ich bei den ersten Fahrten erkennen musste, kommt das Boot bei Vollgas mit dem Bug stark aus dem Wasser während das Heck bedenklich tief eintaucht. Sobald Vollgas weggenommen wird bricht sich das Wasser über dem Heck und nach jeder Fahrt ist die (gottseidank) wasserdichte Plicht stark überflutet. Als erste Maßnahme, so quasi ambulant vor Ort, hab ich den Sender auf 30% begrenzt. Damit fuhr das Boot harmonisch und subjektiv nicht zu schnell. Erstaunlich ist, das Vollgas und 30% von der Geschwindigkeit her gar nicht so viel Unterschied sind, nur der Winkel mit dem das Boot im Wasser liegt. Es stimmt also tatsächlich, ein Verdränger ist kein Gleiter ;-)

 

Details

Dieses Boot lebt von Details. Die ersten Fahrversuche auf einem Treffen in Wittmund hatte ich noch mit nacktem und unlackierten Rumpf gemacht. Nach und nach wurde das Boot aber mit Details belebt. Zuerst einmal wurde der Rumpf dreifarbig lackiert. Leider war die Wahl der Farbe nicht die beste. Der Farbton war ok, aber die Zeit zum aushärten war unverhältnismässig lang. Bis die Farbe bei Raumtemperatur durchgetrocknet war dauerte es fast 2 Tage. Billiges Zeugs...

Das Unterschiff wurde schwarz lackiert, für den Rumpf oberhalb der KWL wurde rot gewählt. Ein grünes Oberdeck rundete die Farbgebung ab. Nachdem der Rumpf abgeklebt und lackiert war musste ich feststellen das an einigen Stellen leichte Farbnebel auf nebenliegende andersfarbige Flächen gekommen ist. Hier musste also nochmal beigearbeitet werden.

Die Plicht wurde mit einem Boden aus Holz versehen. Dieses Holz waren mal Rührstäbchen aus einem FastFood Laden mit gelb rotem Logo. Die Hölzchen wurden bewusst nicht gerade und akkurat aufgeklebt, sondern leicht schief. Verklebt wurden sie mit Sekundenkleber. Der tränkt das Holz und macht es wasserfest. Toter gehts nicht.

Auf dem Aufbau wurden Positionslaternen montiert und auf dem Vorderdeck habe ich einen klappbaren Mast angeschraubt. Auch dieser Mast ist aus Sekundenkleber imprägnierten Holz. Darauf wurden zwei weitere Laternen montiert. Alle Laternen sind mit richtigen Birnchen bestückt. Ich finde, das das Licht einfach besser und wärmer aussieht als so eine schnöde LED.

So ein Opduwer hat natürlich auch Bullaugen. Auf die Schnelle hab ich keine passenden gefunden und kurzerhand selbst welche gedreht. Ein 20mm Messingstab wurde kurz überdreht und mit einer 13mm Bohrung versehen. Anschließen wurde eine 1mm hohe und 3mm breite Stufe abgedreht und schliesslich das Ganze mit 2mm Dicke abgestochen. Alles per Augenmaß, hat aber gut geklappt.

Die Bullaugen wurden kurz entgratet und von hinten mit durchsichtiger Folie beklebt. Nachdem der Kleber getrocknet war wurde die Folie auf Maß abgeschnitten und das Bullauge auf die vorbereiteten Löcher aufgeklebt. 

Damit dann auch der Motorraum schön beleuchtet ist wurde zwei einfache Sofittenlampen in Reihe geschaltet und ins Boot eingeklebt. Sie sind nicht besonders hell, aber das Licht ist weich.

Als weiteres Gimmick wurde eine kleine Zahnradpumpe aus der Wühlkiste verbaut. ich habe sie einfach mit einem Klecks Heisskleber ins Boot eingeklebt. Das Wasser, welches über eine kleine Öffnung im Rumpf angesogen wird, spritzt über eine kleine Düse auf dem Vorschiff wieder heraus. Natürlich ist dies weder Maßstäblich noch in irgendeiner Form authentisch, aber das interessiert meine beiden Kinder nicht im Geringsten. Sie erfreuen sich an der Möglichkeit Papa und die anderen Leute am Steg im unbeobachtetem Moment ordentlich nass zu spritzen.

Geschaltet werden alle Lampen und die Pumpe über ein Soundmodul von Norbert Brüggen. Hört sich komisch an, ist es aber nicht. Dieses Soundmodul ist etwas ganz besonderes, es bietet auf einfachste Weise die Möglichkeit alle denkbaren Geräusche ab zu spielen. Dazu ist ein kleiner Verstärker und ein recht fetter Lautsprecher ins Boot montiert worden. Bespielt wird das Soundmodul via USB. Es bietet die Möglichkeit auch verschiedene Sounds einer Knüppelstellung zu zu ordnen. Dadurch kann man zum Beispiel ein drehzahlabhängiges Dieselgeräusch erzeugen. Genau das kam mir sehr entgegen, denn ich hatte durch Einsatz eines bürstenlosen Motors keine Möglichkeit mehr die Drehzahl mit normalen Dieselgeneratoren ab zu fragen. Üblicherweise haben solche Dieselgeneratoren meist eine Lampe oder LED im Eingangskreis welche parallel zum Motor geschaltet wird. Je mehr Gas man gibt desto heller leuchtet die Lampe und desto schneller wird das Dieselgeräusch erzeugt. Da die Impulse bei bürstenlosen Reglern etwas anders aussehen, kann man also leider die üblichen Dieselgeneratoren nicht nehmen. Ich musste auch zuerst mal einen bauen um mich davon zu überzeugen...

Mit dem Soundmodul ist nun alles anders. Das Modul wird Eingangsseitig parallel zum Empfängerausgang des Fahrreglers geschaltet und es werden den einzelnen Fahrstufen einfach  unterschiedliche Geräusche zugeordnet. Das ist alles. In der Software kann das ganz einfach realisiert werden. Ausserdem stehen auf dem Soundmodul noch 8 Ausgänge zur Verfügung die über den Sender angesteuert werden können. Mit ein paar nachgeschalteten kleinen Transistoren habe ich die Beleuchtung somit auch anschalten können.

Das letzte Gimmick ist der Rauchgenerator von der Firma Seuthe. Ein kleines filigranes Teil mit dem ich direkt noch nie zu tun hatte. Beim Besuch des Modellbauhändlers fiel mir die Schachtel ins Auge, vor allem auch der Preis der bei knapp 30 Euro lag. Sehr viel Geld für so wenig Material. Ich habe also das Teil mitgenommen und zuhause natürlich sofort ausprobiert.

Der Raucherzeuger hatte einen Schlauch der mit der Ölflasche verbunden wurde. Damit alles richtig funktioniert musste die Flasche über den Raucherzeuger gehoben werden damit das Öl durch das Prinzip der kommunizierenden Röhren in den Keramikkörper befördert wird. Nachdem ich Spannung angelegt hatte und das Öl floss war im Nu meine ganze Werkstatt zugequalmt, ein irrer Effekt!

Leider zerbrach mir das filigrane Teil am nächsten Tag durch eine kleine Unachtsamkeit, aber ich konnte wenig später durch die freundliche Zuwendung eines Freundes wieder einen neuen Raucherzeuger in den Händen halten.

Dieser Raucherzeuger wurde in ein kleines Messingrohr eingebaut und dieses so tief wie möglich in die Bilge eingebaut. Dadurch konnte die Ölflasche recht hoch unterhalb des Oberdecks montiert werden sodass der Abstand Flasche-Seuthe relativ hoch war. Ergebnis ist ein heftig qualmender Opduwer

 

 

 

Das Schöne an den Opduwern ist, das es keine zwei Gleiche gibt. Man kann sich vollkommen frei entfalten ohne auf irgendwelche Vorbilder achten zu müssen. Es passt immer weil die Dinger meist auch im Original rein zweckmässig zusammen getackert werden.

   
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.